Metagroup hat eine aktuelle Trendstudie über die deutsche Medienindustrie vorgelegt. Die Marktforscher prognostizieren vor allem für Interaktiv-Dienstleister in den Bereichen Online-Werbung, interaktives TV und Paid-Content gute Akquisechancen.
Die Krise in der Medienbranche hat sich auch in den Jahren 2002/03 fortgesetzt. Entlassungen von Mitarbeitern, Insolvenzen und der Trend zur Konsolidierung der Medienlandschaft sind mittlerweile symptomatisch für diesen Markt. Als Wachstumsmärkte hingegen haben sich Online-Werbung, interaktives TV und damit verbundene Telefondienste sowie Paid Content erwiesen.
Die Buchbranche kam 2002 mit einem Umsatzrückgang um zwei Prozent noch mit einem blauen Auge davon. Schlimmer steht es um die Fachpresse und Zeitungsverlage, die durchschnittlich zwischen vier und sechs Prozent weniger einnahmen als im Vorjahr. Die Musikindustrie hat es besonders hart getroffen: Der Umsatz mit Tonträgern ging im Jahr 2002 in Deutschland um über elf Prozent zurück. Dabei ist das Ende der Fahnenstange nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Metagroup noch nicht erreicht.
Ursache der Misere sind laut Metagroup zum einen die wirtschaftliche Abschwächung und schrumpfende Werbeeinnahmen, aber auch strukturelle Probleme sowie die maßlose Expansion mancher Unternehmen. Zu den Beispielen zählt der Zusammenbruch des Kirch-Imperiums.
Allen Hiobsbotschaften zum Trotz gibt es in der Medienbranche jedoch auch im Jahr 2003 noch Wachstumsmärkte. Die Werbeumsätze bei Online-Angeboten etwa verbuchen noch zweistellige Wachstumsraten.
Der Anteil des Buchverkaufs im Internet nimmt bereits 4,5 Prozent des gesamten Buchhandelsvolumens ein - Tendenz steigend. Auch Lifestyle-Magazine sowie interaktives TV und damit verbundene Telefondienste erweisen sich gegenwärtig als lukratives Geschäft.
Darüber hinaus findet ein Wandel von der Kostenlos-Kultur hin zu bezahlten Inhalten statt. Archive der Tageszeitungen, Testberichte und Multimedia-Angebote entwickeln sich zu neuen Umsatzquellen, hat Metagroup festgestellt. Der Anteil dieser Bereiche an den gesamten Einnahmen der Branche ist allerdings noch gering.
Zwar seien zahlreiche E-Business-Aktivitäten dem Sparzwang in der Medienbranche zum Opfer gefallen. Die Bedeutung von Internet und E-Business für die Medien sei mittlerweile jedoch so offensichtlich, dass selbst die Nachzügler unter den Medienunternehmen allmählich reagieren müssen.
Anzeigenmärkte beispielsweise wandern immer mehr ins Internet ab, und Musik wird zunehmend per Download aus dem Internet bezogen. Gefragt ist nunmehr eine Anpassung der Geschäfts- und Vertriebsmodelle an die neuen Realitäten. Gerade in der Musikindustrie, die durch sinkende Umsätze beim CD-Verkauf geplagt ist, wird dies allzu deutlich. Erst seit dem Jahr 2003 scheinen sich vielversprechende Ansätze für umfassende legale Musikplattformen im Internet herauszukristallisieren.
Maßgebliche Wegbereiter für den Online-Musik-Vertrieb sind indessen nicht die Medienunternehmen selbst, sondern Anbieter von IT-Lösungen und Internet Service Provider, konstatieren die Marktforscher. Es sei zu erwarten, dass diese in Zukunft an dem Geschäft der Musikindustrie - direkt oder indirekt - mitverdienen werden.
Wichtige treibende Faktoren für IT-Investitionen in der Medienbranche sind die Optimierung von Prozessen und Kosteneinsparungen. Medienneutrales Publizieren wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. IT-Dienstleister sind bei der Realisierung von digitalen Workflows und Content-Management-Systemen gefordert, appelliert Metagroup.
Besonders wichtig für die Bereitstellung von Inhalten im Internet ist das Management von digitalen Urheberrechten (Digital Rights Management - DRM). Ausgereifte DRM-Lösungen für verschiedene Bereiche des Mediensektors ließen indes noch auf sich warten.
Auch vertriebsnahe Lösungen bieten Potenzial für die Dienstleister. Hier kommt Shop-Systemen und Customer Relationship Management eine hohe Bedeutung zu. Besonders im Verlagswesen haben in der Vergangenheit jedoch nicht alle CRM-Projekte die hochgesteckten Erwartungen erfüllt. Deshalb ist dort auf eine starke Orientierung an konkreten Nutzenargumenten und Meilensteinen zu achten. Weitere Infos unter: www.metagroup.com
Quelle: Medienkompetenznetz MainRheinMain