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IT und Systemberatung
11.10.2003
IBM entwickelt größte Suchmaschine der Welt
Die größte Suchmaschine der Welt steht im Silicon Valley und gehört nicht Google, sondern dem Computerkonzern IBM. In einem fensterlosen, von einer Hochleistungsklimaanlage gekühlten Raum steht ein aus 640 Prozessoren bestehender Rechner, der bis zu vier Milliarden Seiten Informationen durchsucht und mithilfe von Analysesoftware auch deren Sinn deutet. Wer beispielsweise bei der Suchabfrage „Image“ und „Coca-Cola“ eingibt, erhält statt der 156 000 Dokumente, die Google dazu anzubieten hat, eine brauchbare Zusammenfassung mit detaillierten Hinweisen auf die relevanten Quellen.

Die auf Webfountain getaufte und auf dem Betriebssystem Linux laufende Maschine wird bereits von Großkonzernen, Regierungen und Marktforschungsunternehmen genutzt, um die Marktfähigkeit von Produkten, die Effizienz von Werbekampagnen oder den Bekanntheitsgrad von Popstars zu testen. „Es ist wie Google mit Doping“, strahlt IBM-Forschungschef Paul Horn.

Vor drei Jahren von IBM-Forscher Andrew Tomkins gestartet, ist Webfountain mittlerweile fest in die strategischen Planungen des Computerkonzerns eingebunden. Horn ist so überzeugt von den Fähigkeiten und den Marktchancen der gigantischen Datenbank, dass mittlerweile 300 IBM-Forscher an dem Projekt arbeiten. Jeden Tag durchforstet der Rechner das Web, wird mit Material aus Bibliotheken, Universitäten, Zeitungen und Zeitschriften gefüttert. Zu den vier Milliarden Druckseiten Informationen, die in seinem 500-Millionen-Gigabyte-Speicher lagern, kommen jeden Tag 25 Millionen weitere hinzu. Eigentlich wären es täglich noch acht Millionen Seiten mehr. Jedoch: „Die Pornoseiten im Internet filtern wir gleich aus“, sagt Webfountain-Manager Robert Carlson.

Probleme frühzeitig erkennen

Im Unterschied zu herkömmlichen Suchmaschinen geht es bei Webfountain nicht nur darum, Internetseiten mit den gewünschten Informationen zu finden, sondern sie nach Themen zu ordnen – ähnlich wie in einem Archiv. Beim Einlesen analysiert Webfountain die Texte akribisch. So wird nicht nur vermerkt, aus welcher Quelle – Internetseite, Onlineforum, fremde Datenbank oder Pressearchiv – das Material herrührt. Webfountain bewertet Bekanntheitsgrad und Vertrauenswürdigkeit der Quelle und registriert den Zusammenhang, in dem die Informationen stehen. Dann vernetzt die Software die Neuzugänge mit bereits vorhandenen Einträgen.

„Wir sind überzeugt, mit Webfountain Trends und Probleme frühzeitig erkennen zu können“, sagt Carlson. Bei der Akzeptanzprüfung einer neuen Digitalkamera beispielsweise sucht Webfountain jede Erwähnung, ob in der Presse oder in Web-Foren, und dazu noch Urteile über ähnliche Produkte. Aus all diesen Informationen stellt die Maschine eine Beurteilung zusammen und errechnet daraus die voraussichtliche Akzeptanz bei den Käufern.

Die Maschine kann auch bewerten, ob die Ökokampagne eines Ölkonzerns ernst genommen wird. Oder wie hoch der Imageschaden für eine Kaffeehauskette wegen eines gefälschten Kupons für ein Gratisgetränk ist. „Unternehmen haben damit eine Art Frühwarnindikator“, sagt Suns Feldman vom US-Marktforschungsunternehmen IDC.
Webfountain wird bereits genutzt. Für den Ölkonzern BP trug Webfountain Material über dessen öffentliches Renommee zusammen. Für einen US-Musikkonzern hat IBM die zu erwartenden Albenverkäufe eines Popstars hochgerechnet. Webfountain zählte nicht nur die Erwähnungen in kommerziellen Internetangeboten wie www.MTV.com, sondern analysierte, wie oft der Künstler in Web-Foren genannt wurde und welcher Titel besonders gut ankam.

Webfountain ist offen für die Zusammenarbeit mit anderen Datenbanken wie Genios, die, wie die WirtschaftsWoche zur Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe gehört. Mithilfe der fremden Datenbanken lässt sich die Datenbasis der IBM-Quelle weiter verbreitern, umgekehrt dürfen die Partner die Analysesoftware von Webfountain nutzen. „Es ist unglaublich, wie effektiv sich mit Webfountain Informationen zusammentragen lassen“, staunt Clare Hart, Chefin von Factiva, einem Gemeinschaftsunternehmen der Nachrichtenagentur Reuters und des Medienkonzerns Dow Jones. Factiva ist die erste Fremddatenbank, die auch über Webfountain zugänglich ist. Hart will das Gemeinschaftsprodukt internationalen Großkonzernen zur Nutzung anbieten, Kostenpunkt: ab 100 000 Dollar.

Vorerst ist Webfountain lediglich zahlenden Profis vorbehalten, doch ein über das Internet für jedermann zugänglicher Service ist geplant. Allerdings: Kostenlos wie heutige Suchmaschinen wird er nicht sein.

Quelle: Wirtschaftswoche 41/2003
Maria Franck,
Offen, lebendig, nicht ganz üblich
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15.08.2007
 
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