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IT und Systemberatung
10.02.2004
Linux-Cluster statt Großrechner
Das Raumschiff Enterprise kämpft ab und zu gegen eine seltsame Spezies namens Borg. Diese Borg sind Geschöpfe – halb Lebewesen, halb Maschine – die allein schwach, im Kollektiv aber äußerst stark sind. Wie eine Ameisenarmee.

Ähnlich beschaffen sind Verbundrechner, Cluster genannt. Eine einzelne Einheit
vermag nicht viel mehr auszurichten als ein x-beliebiger Aldi-Rechner. Doch gemeinsam nehmen es die Rechner mit jedem Supercomputer auf und bestimmen spielend die Lage von Ölfeldern, die Stärke eines Erdbebens oder die Zerstörungskraft eines Tornados.

Unternehmen machen sich das zu Nutze und verzichten zunehmend auf die Anschaffung von Zentralcomputern und millionenteuren Parallelrechnern, vollgepackt mit Aberdutzenden schneller Prozessoren. Stattdessen schalten sie dutzende, hunderte oder gar tausende handelsüblicher Rechner zu einem Superhirn zusammen, um komplexe Rechenaufgaben aus Wirtschaft und Wissenschaft zu lösen. Das ist billiger und flexibler.

Trend geht zum Cluster

Der Trend wird sich noch verstärken. Das geht aus einer Umfrage des IT-Beratungsunternehmens Altreia Solutions hervor. Mitte vergangenen Jahres waren danach in Deutschland in 65 Industriebetrieben rund 90 Cluster mit insgesamt 5650 Prozessoren im Einsatz. Die Zahl der Prozessoren wird sich bis Mitte 2004 verglichen mit dem Vorjahr verdoppeln. Deutschland und Europa stünden „vor einem Boom“, glaubt Uwe Montag, Vorstandsvorsitzender des kleinen Hamburger Cluster-Konstrukteurs Emplics.

Seine Wette auf Verbundsysteme hat gute Erfolgsaussichten: Die Uni Zürich etwa nimmt gerade den europaweit schnellsten Cluster auf Basis des kostenlosen Betriebssystems Linux – Codename: Matterhorn – in Betrieb. Physiker berechnen mit ihm die Bewegungen ganzer Galaxien. Audi setzt ebenfalls auf ein neues Linux-Rechnernetzwerk und will mit ihm das Verhalten von Alu-Fahrzeugrahmen im Fahrbetrieb in zwei Tagen statt wie bisher in zwei Wochen simulieren. So lange brauchte das Vorgängersystem dafür.

Emplics gehört zu den Nutznießern der Cluster-Euphorie. Das im Dezember 2002 gegründete Unternehmen setzte im vergangenen Jahr auf Anhieb knapp eine Million Euro um. Emplics hat sich auf den Bau von Linux-Systemen spezialisiert. Die Hamburger sind eine Art High-Tech-Architekturbüro, das Bauelemente bekannter Hardwarehersteller wie Intel und AMD zusammensteckt, dazu das kostenlose Betriebssystem Linux auf die Systeme spielt und – je nach Anwendung und Branche – eigene Software darüber stülpt. Aus dem Stand heraus eroberte Emplics bei kleineren und mittleren Netzwerken einen Marktanteil von 16 Prozent. In diesem Jahr will die Mini-AG schwarze Zahlen schreiben und zum deutschen Marktführer bei mittelgroßen Clustern aufsteigen. Gerade hat sie ein leistungsfähiges Rechnernetz an das Honda Research Institute in Offenbach geliefert. Forscher entwickeln dort einen Maschinenmenschen, der Hondas derzeit bekanntesten humanoiden Roboter ASIMO an Intelligenz weit übertreffen soll.

Im Cluster der Hamburger werden Rechenaufträge in viele kleine Teile zerstückelt, mehrere zusammengeschaltete herkömmliche PCs arbeiten sie parallel ab. Weil sie erprobte Bausteine „von der Stange“ verwenden, sind ihre Verbundrechner preiswerter als maßgefertigte Spezialrechner – und auch schneller. Linux-Cluster belegen die ersten zehn Plätze in der Top 500 der weltweit schnellsten Rechner. Die Arbeit eines Cluster-Kons‧trukteurs ähnelt der eines Flohzirkus-Direktors: Seine Kunst besteht darin, die Komponenten so zu verdrahten, dass sich die vielen Prozessoren, Festplatten und Speicherbausteine nicht in die Quere kommen, sondern harmonieren und sich gegenseitig Arbeit abnehmen.

Links zum Thema:

Studie zur Verbreitung von Linux-Clustern: Altreia Solutions
Artikel zum Einsatz von Linux-Clustern in der Automobilindustrie
Cluster-Entwickler Emplics

Quelle: wiwo online
Maria Franck,
Offen, lebendig, nicht ganz üblich
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Jour Fixe Wiesbaden,
15.08.2007
 
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