 |
 |
Steuern und Finanzen |
 |
 |
22.03.2004
|
 |
Finanzplätze: Frankfurt fällt weiter zurück |
 |
 |
Ein Erfolgsbonus in Höhe von 30 Millionen Pfund? Diese Prämie soll angeblich Goldman-Sachs-Banker Driss Ben-Brahim bekommen, meldete kürzlich eine britische Sonntagszeitung. „Totaler Blödsinn“, dementiert die Londoner Niederlassung der US-Investmentbank, „völlig aus der Luft gegriffen.“ Den allgemeinen Trend will sie aber nicht bestreiten: Die Londoner City spürt wieder Morgenluft.
„Die Bonuszahlungen sind generell höher als im vergangenen Jahr, vor allem die Topleute schneiden extrem gut ab “, sagt Isabelle Martin, Leiterin der Finanzdienstabteilung der Londoner Niederlassung der Headhunterfirma Korn/Ferry International. Insgesamt dürften Londons Banker im Schnitt rund 20 Prozent mehr kassieren. Bei der britischen Großbank HSBC hat ein Banker für das vergangene Jahr einen Bonus von rund zwölf Millionen Pfund bekommen.
Die Zeiten von Gewinneinbrüchen und Massenentlassungen nach dem Börsenabsturz 2001 sind vorbei. London baut mit besseren Zahlen seine Vorherrschaft in Europa weiter aus, während die deutsche Finanzszene wie gelähmt auf einen ausländischen Bankenaufkäufer wartet. Dass man in dieser Situation den Mannesmann-Prozess an der Themse nur mit Kopfschütteln beobachtet, verwundert deshalb nicht.
Expansion in London
„Seltsam, sehr seltsam kommt uns das alles vor“, kommentiert Exaußenminister Lord Hurd, heute Berater bei der Investmentboutique Hawkpoint, die Düsseldorfer Anklagen gegen Ackermann und Co. Und Michael Snyder, Chef der Wirtschaftsprüfergesellschaft Kingston Smith Financial Services sagt: „Irgendwann kommt der Punkt, wo schlechte Publizität, egal ob sie nun gerechtfertigt ist oder nicht, einem Standort schadet.“
Für Snyder kein Anlass für echtes Mitgefühl: Als Vorsitzender des Policy and Resources Committee der Corporation of London, einer privaten Gesellschaft zur Förderung des Londoner Finanzplatzes, ist er nicht wirklich am Prosperieren des Konkurrenten Frankfurt interessiert.
In London dagegen stehen die Zeichen auf Expansion. Im Finanzsektor seien die Gewinne im dritten Quartal 2003 so stark gestiegen wie seit drei Jahren nicht mehr, meldet der britische Industrieverband CBI. „Es gibt einen klaren Aufwärtstrend“, so CBI-Chefvolkswirt Ian McCafferty. „In der City wird die Zahl der Beschäftigten in diesem Jahr um 6000 und 2005 nochmals um 5000 steigen“, prognostiziert die private Forschungsfirma Centre for Economics and Business Research (CEBR). Mitte 2006 könnte die Zahl der Beschäftigten im Londoner Finanzdistrikt mit 327 000 auf einen neuen Rekord klettern.
Deutsche Träume sind geplatzt
Die Geldhäuser von Goldman Sachs bis zur Deutschen Bank stellen wieder neue Mitarbeiter ein. Europas größte Bank, der britische Finanzkonzern HSBC beispielsweise sucht 300 Aktienexperten. Seinen Investmentbankern zahlt HSBC Ende Februar erstmals wieder die Boni bar aus und nicht wie in den vergangenen zwei Jahren in Form von Aktien. HSBC-Chef Sir John Bond hofft so, seine besten Leute gegen Abwerbeversuche der Konkurrenz immunisieren zu können.
Die Krise selbst ist die Ursache dafür, dass London gegenüber den kontinentaleuropäischen Finanzplätzen gestärkt in den Aufschwung geht: Der durch die Rezession hervorgerufene Kostendruck hat den Zentralisierungs- und Rationalisierungsprozess in Richtung London noch vorangetrieben. „Das bedeutet auch, dass London unverhältnismäßig vom nächsten Aufschwung profitieren könnte“, urteilt das Forschungsinstitut Centre for the Study of Financial Innovation (CSFI). „Londons Führung wächst“, ist sich CSFI-Direktor Andrew Hilton sicher.
Die deutschen Träume, Frankfurt könne London ernsthaft Konkurrenz machen, sind geplatzt. Dass die Bundesregierung die Europäische Zentralbank nach Frankfurt holen konnte, erweist sich im Nachhinein als Pyrrhussieg. Frankfurt kann lediglich mit anderen kontinentaleuropäischen Finanzplätzen wie Paris konkurrieren – London spielt dagegen mit New York in der globalen Liga. Die Absage der Briten an den Euro hat London keineswegs geschwächt. „Da haben sich die Deutschen etwas vorgemacht“, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa bei der Deutschen Bank in London.
Den gesamten Artikel und weitere Informationen zum Finanzplatz Deutschland lesen Sie hier
Quelle: wiwo online newsletter
|
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| Maria Franck, |
 |
| Offen, lebendig, nicht ganz üblich |
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
Jour Fixe Wiesbaden,
15.08.2007 |
 |
| |
|